top of page

op. 16   Orlamento

​

eine Klangcollage für Vokalquartett, 2 Chöre, 4 Posaunen, Glocke und Orgel

(Orgel-Kadenz: Alexander Hermann)

​

composed: 2006 / 07

premiered: 27. November 2005 Herz-Jesu-Kirche - München 

Ensemble Chrismòs – cond and organ.: Alexander Hermann

duration: ca. 17 min.

​

Orlamento (Programmtext)

Der Titel der Komposition ist ein Wortspiel aus Orlando, Lamento und Ornament. Die Idee ist eine ursprünglich für den Raum der Herz-Jesu-Kirche München konzipierte Raum-Klang-Collage. Das musikalische Material stammt aus dem Kyrie der Missa super Quand’io penso al martire und der Canzone Matona mia cara aus „Libro de Villanelle“ von Orlando di Lasso.

Der Klangraum besteht aus 3 Ebenen: a.) Dem Altarraum, die sichtbare hiesige „irdische“ Ebene, repräsentiert durch zwei Chöre, welche auf dynamisch an- und abschwellenden Akkorden die meditativ geistige Komponente des Raumes heraufbeschwören sollen, anfänglich unterbrochen (oder – je nach Wahrnehmung verstärkt) durch die mahnenden Stimmen der vier Posaunen von den Seitenschiffen, der zweiten Ebene b.), die sich im Verlauf des ersten Teils der Komposition vom Hörer in Richtung Portal fortbewegen und ihm (vielleicht) das Gefühl vermitteln, diese „irdischen“ Stimmen hinter sich zu lassen. Die dritte Ebene c.) ist die Empore, symbolisch für das Erhabene, Reine, göttlich Ewige und der Liebe. Von hier erklingt auf einem permanentem Orgelpunkt (vielleicht einer Art „universalem“ Grundton?) schemenhaft, wie aus einer jenseitigen Welt der Liebesschwur aus der Canzona, gesungen von einem Vokalquartett.

Doch es kommt nicht zu einer harmonischen Verbindung zwischen den Ebenen. Kaum sind die Stimmen der Posaunen verklungen, erwacht der Orgelton zu einem gewaltigen Brausen und Wogen – Orgelimprovisation (vielleicht dem ewigen Fließen und sich Wandeln des Alls?). Die Chorstimmen im Altarraum verlieren sich in diesem Klangrausch und werden von ihm aufgenommen und fortgerissen – die Chormitglieder treten singend einzeln ab. Am Schluss erhebt sich über dieses Rauschen das durch die inzwischen auf der Empore vereinten Posaunen im Originalsatz erklingende Kyrie, in seiner Reinheit plötzlich alles überstrahlend und das Raum- und Zeitgefühl auflösende „Ende des Spiels“ (vielleicht das Paradies…?)

Infos zur Uraufführung von „Orlamento“ unter: http://www.ensemble-chrismos.de/fp-illumina-01.html

​

live (exzerpts)

00:00 / 01:51
00:00 / 01:48
bottom of page