op. 33   Konzert für Oboe und Orchester

1 - misterioso - Allegro  2 - liberamente  3 - Allegro

dedicated to Christian Schmitt

composed: 2015/16

premiered: 24. Juni 2017 at IDRS in Appleton Wisconsin, USA

Christian Schmitt - Oboe, festival orchestra, cond.: Mark Dupere

duration: 18 min.

published by ACCOLADE-Musikverlag www.accolade.de

live from the premiere

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Einführungstext: (english version see below)

Meinem Oboenkonzert Op.33 welches zwischen Herbst 2015 und Frühjahr 2016 entstand liegen mehrere Einflüsse und Ideen zugrunde: Da ich selber Oboist bin, wollte ich schon lange gerne ein Konzert schreiben, unter der Berücksichtigung der mir vertrauten, bereits vorhandenen Literatur. Dabei stand nicht die Idee einer musikstilistischen Weiterentwicklung mit modernen Spiel- oder Kompositionstechniken im Vordergrund, sondern tatsächlich die Bereicherung des eher kleinen Repertoires an Oboenkonzerten in gehobenem Schwierigkeitsgrad.

Inspiriert wurde diese Komposition durch einige Reisen in den Kaukasus, die mich mit der Tradition des Dudukspiels bekannt machten (Duduk ist ein vor allem in Armenien und Georgien verbreitetes Doppelrohrblattinstrument, welches mit seinem wehmütigen samtigen Klang eine ganz außergewöhnliche stark emotionale Wirkung hat und mich sofort in seinen Bann zog).

Den beiden im weitesten Sinne verwandten Instrumente Oboe und Duduk eine Gegenüberstellung und Verbindung zu geben, wurde zur Grundidee dieses Konzertes und stellt gewissermaßen eine autobiographisch geprägte „Reise“ zu neuen Klangwelterfahrungen dar.

 

Zu Beginn des Mittelsatzes des Werkes kommt diese Gegenüberstellung am deutlichsten zum Ausdruck. Die Oboe imitiert hier eine aus der traditionellen armenischen Musik stammende Spielweise des Duduk (mit Vierteltönen sowie genauer Spielanweisungen zum Gebrauch des Vibratos) – diese wird durch liegende Borduntöne (wie in der Musik des Kaukasus typisch) durch die Streicher zart untermalt. Im Gegensatz zur Tradition wechselt in meiner Komposition jedoch der Ton allmählich durch alle 12 Töne durch. Die dadurch entstandene 12-Tonreihe sowie das „Duduk“-Thema erklingen in allen drei Sätzen. Aus dieser anfänglichen kaukasischen Klangwelt zu Beginn des Satzes schält sich unmerklich eine stimmungsmäßig westlich orientierte Oboenmelodie über liegende hohe Streicherklänge heraus. Im dritten Teil dieses Satzes erklingt dann die Verschmelzung beider Musikrichtungen, einem Liebesduett gleich kommend, wobei eine Solovioline den Part der Oboe übernimmt und der Oboist nochmals zur Dudukmelodie zurück findet.

 

Bereits in der stimmungsmäßig dem zweiten Satz sehr ähnlichen, mystischen nebulösen Einleitung des Konzertes erklingen die Themen aller drei Sätze und geben erst allmählich im Laufe des Konzertes ihre klaren Einzelstrukturen zu erkennen: im ersten Satz eher mitteleuropäisch geprägt, musikalische Landschaftsbilder eines Ralph Vaughan Williams herauf beschwörend, rhythmisch vielschichtig, flüchtig forteilend, im zweiten die schon erwähnten östlichen Bilder und im Finalsatz, der symbolisch noch einen ganz anderen Aspekt der Gemeinsamkeiten zwischen Europa und dem Kaukasus anklingen lässt – die christliche Religion. Dem letzten Satz liegt eine ältere Komposition zugrunde, eine Fantasie über „Christ ist erstanden“, die ursprünglich für Oboe und Orgel gedacht war.

 

Die Uraufführung des Konzertes fand im Rahmen des IDRS 2017 in Appleton / USA statt. Der Solist war Christian Schmitt, dem das Werk in großer freundschaftlicher Verbundenheit gewidmet ist.

 

 

I wrote my oboe concerto, op. 33, between the end of 2015 and the spring of 2016.  I am an oboist myself and have long wanted to write such a concerto. My main goal here was not to develop musical style by using contemporary instrumental or compositional techniques, but rather to enrich the quite small repertoire of advanced oboe concertos by taking the already familiar repertoire into account. 

 

The concerto was inspired by several trips to Caucasia, where I became acquainted with the traditional music played on the duduk, a double-reed instrument found largely in Armenia and Georgia. Its wistful, velvety sound captivated me from the start and has had an extraordinarily strong emotional impact on me. The basic idea of this concerto is to demonstrate the contrasts and interconnections of oboe and duduk, and it represents, so to speak, an autobiographical journey into new tonal experiences. 

The encounter between the two instruments is most apparent at the beginning of the second movement. In this section, the oboe imitates a way of playing which comes from traditional Armenian music, involving special quarter-tones, as well as specific instructions as to the use of vibrato. This is accompanied by a tender drone (typical for music of Caucasia) in the strings. However, contrary to Caucasian tradition, this drone works its way through all 12 notes in my composition, and this 12-tone row, as well as the “duduk” theme, appear in all three movements. 

 

An oboe melody with an atmosphere that is more congruent with Western music emerges almost imperceptibly over high-pitched strings from this initial Caucasian soundscape at the beginning of the second movement and leads into a fusion of both styles in the third section. The first violin takes over the oboe part, and the oboe returns to the duduk melody in a way that resembles a love duet. 

The themes of all three movements appear in the concerto's diaphanous, mysterious introduction which is very similar in mood to the second movement. As the concerto progresses, the themes gradually show their individual structures. The first movement reflects Central Europe’s musical landscapes, but by using rhythmic layering reminiscent of Ralph Vaughan Williams and a fleeting diminuendo. The second movement consists of the aforementioned Eastern scenes while the finale makes symbolic reference to another link between Europe and Caucasia – Christianity, and is a fantasy based on an earlier composition of mine, “Christ is Risen”, originally for oboe and organ.

 

The world premiere of the concert took place during the IDRS 2017 in Appleton / USA. The soloist was Christian Schmitt, to whom the work is dedicated in close friendship.